Heute am 19. August 2019, zum Tag der Kartoffel, stellt die Gesellschaft Bayerische Kartoffel zehn Thesen zur berühmten Knolle auf den Prüfstand.

Was heutzutage eher als Mythos anzusehen und an welchen Grundsätzen guten Gewissens festzuhalten ist, zeigt sich im Folgenden: Eine Inspiration zur Überprüfung und Erweiterung des persönlichen Kartoffelhorizontes.

Die Kartoffel ist bekannt im ganzen Land und alle kennen sich mit der Knolle bestens aus – scheinbar. Denn viele Wahrheiten im Umgang mit der Kartoffel sind inzwischen überholt. So gilt der Erdapfel beispielsweise längst nicht mehr als langweiliger Dickmacher. Was ist eigentlich dran an dem, was man über die Kartoffel weiß und hört? Wie ist es etwa mit rohen Kartoffeln, sind sie zum Verzehr geeignet? Und macht die Knolle wirklich glücklich?

Kartoffeln sind Dickmacher.
In Zeiten von Matchatee und Chia Samen hat es der knollige Sattmacher schwer, sich als gesundes Lebensmittel zu behaupten. Obwohl die Knolle zu beinahe 80 Prozent aus Wasser besteht, ist bei ihr häufig von Kohlenhydratbombe und nährstoffarmem Dickmacher die Rede. Dabei ist die Kartoffel ausschließlich im positiven Sinne gehaltvoll. Denn nimmt man sie genauer unter die Lupe, lässt sich der Ruf als Kalorienbombe sofort ins Gegenteil umkehren. So ist die Knolle sowohl im rohen als auch im gekochten Zustand mit nur 0,1 Prozent Fettgehalt quasi fettfrei. Außerdem haben 100 Gramm Kartoffeln trotz ihres ca. 16-prozentigen Kohlenhydratgehaltes nur halb so viele Kalorien wie die gleiche Menge an Nudeln. Sogar Reis bringt in einer Menge von 100 Gramm mehr Kalorien auf die Waage als die Kartoffel.

Die Kartoffel ist die optimale Sportlernahrung.
Die Kartoffel macht satt und bewahrt dabei ihre Leichtigkeit. Deshalb schwören auch Sportler auf die Powerknolle. Besonders vor Ausdauerbelastungen sollten gezielt sogenannte speicherfüllende, komplexe Kohlenhydrate gegessen werden, wie sie eben in der Kartoffel enthalten sind. Kohlenhydrate werden in den Muskel- sowie Leberdepots des Körpers in Form von Glykogen gespeichert. Beim sogenannten „Carbonloading“ wird dieses Energiereservoir gezielt aufgefüllt, von dem der Körper während der Dauerbelastung längerfristig zehren kann.

Die Kartoffel gilt als „Zitrone des Nordens“.
In der Tat wird die Knolle auch „Zitrone des Nordens“ genannt, denn auf 100 Gramm kommen rund 17 Milligramm Vitamin C – das ist mehr als beispielsweise bei Äpfeln. Damit beim Garen möglichst wenig des wertvollen Vitamins verloren geht, empfiehlt sich die Zubereitung in der heißen Bratpfanne oder noch besser: im Backofen. Die plötzliche Hitze stoppt die Enzyme, die für den Verlust der (auch Ascorbinsäure genannten) Substanz verantwortlich sind. Unschlagbar in Sachen Vitamin-C-Erhalt ist die klassische Folienkartoffel, zur Hitze kommt ein weiterer Pluspunkt hinzu: Da die Schale erst nach dem Garen entfernt wird, bleiben die Vitamine und Nährstoffe, die in der Regel direkt darunter sitzen, besser erhalten.

Übrigens: Neben C- und auch B-Vitaminen enthält die Kartoffel auch Kalium, Magnesium, Kalzium, Phosphor und Eisen. Überdies ist die Knolle ein wichtiger Eiweißlieferant, da es sich um sehr hochwertiges pflanzliches Eiweiß handelt.

Kartoffeln mit grünen Stellen und langen Keimen sind unbedenklich.
Jein, denn beim Keimen der Kartoffel entsteht giftiges Solanin. Sind die Keime noch klein, ist das Solanin noch nicht ins Innere der Knolle durchgedrungen und die Kartoffeln können nach Entfernen der Keime unbesorgt verzehrt werden. Sobald die Keime aber länger als fünf Zentimeter sprießen, gehören die Knollen auf den Kompost. Solanin ist auch in den grünen Stellen enthalten. Hier reicht es aber, diese beim Schälen großzügig wegzuschneiden. Überhaupt besteht grundlegend für Erwachsene kein Grund zur Panik: Um eine Solanin- Vergiftung zu bekommen, müsste ein Mann knapp drei Kilo Kartoffeln und eine Frau mehr als zwei Kilo essen. Bei Kindern empfiehlt es sich allerdings, vorsichtiger zu sein.

Kartoffeln kochen dauert lange.
Kartoffeln geraten nicht selten ins Hintertreffen, wenn es um eine schnelle Mahlzeit geht. Das Argument gegen die Knolle lautet, dass sie mindestens 20 Minuten garen müssen – Nudeln beispielsweise brauchen in der Regel nur die Hälfte der Zeit. Dabei gibt es vielfältige Zubereitungsarten, mit denen die Kartoffel im Handumdrehen auf dem Teller landet. Schneidet man die Knollen beispielsweise vor dem Kochen in kleine Würfel, sind sie im Salzwasser im Nu gar und lassen sich fix zu einem köstlichen Kartoffelbrei verarbeiten. Auch in der Pfanne sind Würfel ohne Vorkochen in nur wenigen Minuten verzehrfertig – und das scharfe Anbraten kommt, wie gesagt, außerdem dem Vitamin C-Gehalt zugute. Mit Salz, Pfeffer und Kräutern gewürzt, machen die Kartoffelwürfel übrigens als Croutons auf einem gemischten Salat eine super Figur.

Im Ausland werden die Deutschen scherzhaft „Kartoffeln“ genannt.
Lange hießen die Deutschen im Ausland „Krauts“, inzwischen ist die Bezeichnung als „Kartoffel“ weitverbreitet. Ob liebevoll oder nicht – warum werden die Einwohner Deutschlands eigentlich zur Knolle stigmatisiert, wo der Erdapfel doch eigentlich aus den Anden stammt? Dort wurde sie in den Bergen etwa in der Region des heutigen Peru und Bolivien entdeckt. Mitte des 16. Jahrhunderts gelangten die Kartoffeln über Spanien und England nach Europa. Aufgrund Ihrer Blüten wurden die Kartoffeln jedoch anfänglich als Zierpflanze behandelt und nicht als Nutzpflanze erkannt. Im Preußen des 18. Jahrhunderts probierten viele die Kartoffeln roh oder unreif – und fanden entsprechend keinen Gefallen daran. Anders als Friedrich der Zweiten von Preußen (1712 bis 1786): Er erkannte, welche Bedeutung die Kartoffeln in einer Zeit ständig wachsender Bevölkerung und mehrmaligen Hungersnöten hatte. Um die Bevölkerung von der Kartoffel zu überzeugen, griff er der Legende nach zu einem Trick: Er weckte die Neugier der Bauern, indem er 1740 in Berlin Kartoffelfelder anlegen und diese von Soldaten bewachen ließ, um Diebe abzuhalten. Alsbald veranlasste dies die Bauern dazu, die heimlich entwendeten königlichen Knollen selbst anzubauen, was Preußen ab 1740 bis nach dem Siebenjährigen Krieg 1756 bis 1763 Hungersnöte ersparte und den Kartoffeln zum Durchbruch verhalf.

Rohe Kartoffeln sind giftig.
Tatsächlich sind rohe Kartoffeln nicht gut bekömmlich. Sie schmecken nicht nur bitter und mehlig, sondern sind wegen des hohen Stärkegehalts für den menschlichen Körper schlicht unverdaulich. Der Verzehr roher Knollen kann zu Magenkrämpfen, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall führen. Erst beim Garen ändert sich die chemische Struktur der Kartoffel: Die Stärke quillt auf und der Erdapfel wird genießbar. Auch das Solanin, das bei der Kartoffel zum Schutz vor Schädlingen und Schimmelpilzen hauptsächlich unter der Schale steckt ist für Menschen giftig. Erst während des Garprozesses wird das Solanin ausgelöst.

Kartoffeln pflegen die Haut und erfrischen den Teint.
Wer Kartoffeln isst, tut seinem Organismus in der Tat mit einer Vielzahl an Nähr- und Mineralstoffen Gutes. Doch die Knolle eignet sich auch zur äußerlichen Anwendung. Als wohltuende Packung gegen raue Hände beispielsweise trägt man eine mit einem Esslöffel Olivenöl verrührte gekochte Kartoffel auf die Haut auf und lässt die Masse ca. 15 Minuten einwirken. Für einen frischen Teint sorgt eine Gesichtspackung aus einer geriebenen, rohen Kartoffel, die mit je einem Esslöffel Buttermilch und Honig verrührt wird. Die Einwirkzeit beträgt auch hier ca. 15 Minuten.

Die Kartoffel macht glücklich.
Nimmt man mindestens zwei Mal pro Woche 300 Gramm Kartoffeln zu sich, lässt sich der Serotonin-Gehalt dauerhaft steigern – und damit auch das persönliche Glücksgefühl. Kartoffeln bestehen nämlich zu etwa 15 Prozent aus Kohlenhydraten, die während der Verdauung die Insulinproduktion anregen. Das Insulin erleichtert es dem Gehirn, die Aminosäure Tryptophan aufzunehmen – und Tryptophan wiederum wird in das sogenannte Glückshormon Serotonin umgewandelt, das für positive Stimmung sorgt. Nebenbei wirkt der Botenstoff vor allem in stressigen Zeiten ausgleichend und beruhigend und kann sogar die Schmerzempfindlichkeit senken.