Krampalar, Kamele und Kuhglocken – Sieben außergewöhnliche Advents- und Weihnachtsbräuche

Adventsmarkt, Krippenspiel und Christbaum – ohne sie ist die Weihnachtszeit bei uns kaum vorstellbar.

Doch wer hätte gewusst, dass in Österreich den Heiligen Nikolaus wahre Schreckensgestalten begleiten? Oder dass die Kinder im spanischen Lanzarote noch bis in den Januar auf ihre Geschenke warten? Sieben außergewöhnliche Bräuche von schön bis schaurig zeigen, wie man anderswo die „staade Zeit“ feiert.

Flammende Schmiedeweihnacht in Niederösterreich:

Eisernes Brauchtum im Advent

Auf dem Ybbsitzer Adventsmarkt in Niederösterreichs Mostviertel schauen Besucher Schmieden bei ihrer feurigen Arbeit zu

Schmieden ist in Ybbsitz an der niederösterreichischen Eisenstraße eine über Jahrhunderte gewachsene Tradition und daher 2010 von der UNESCO zum Immateriellen Kulturerbe erklärt worden. Besucher erleben das generationenübergreifende Brauchtum hautnah bei der Ybbsitzer Schmiedeweihnacht, einem der ungewöhnlichsten Adventsmärkte der Alpenrepublik. Hammerschläge statt Chorgesang ertönen am 16. und 17. Dezember 2017 auf dem historischen Marktplatz und der Schmiedemeile, wenn knapp 100 Eisenkünstler aus bis zu zwölf Nationen über lodernden Feuern ihre Techniken am Amboss präsentieren. Auch Drechsler, Korbflechter, Glaskünstler und Schnitzer zeigen live ihr fast vergessenes Handwerk. www.ybbsitz.at

 

 

Klosn in Stilfs im Vinschgau:

Viel Lärm um den Nikolaus

Burschen aus dem Vinschgauer Bergdorf Stilfs beim Nikolaus-Brauch „Klosn“

Geheimnisumwittert und archaisch geht’s beim „Klosn“ am 2. Dezember 2017 in Stilfs im Vinschgau zu. Der uralte Brauch zur Abwehr von Dämonen wird alljährlich am Samstag vor oder nach Nikolaus veranstaltet. Dann treiben in dem Südtiroler Bergdorf im Ortlergebiet ab 14 Uhr sagenhafte Fabelwesen ihr Unwesen. Junge Burschen, verkleidet mit wilden Masken, bunten Gewändern und lärmenden Glocken, schlüpfen in die Rollen von „Schellern“, „Eseln“ oder „Tuifeln“ und wandern durch die engen Gassen. Ruhig und unbeeindruckt schreitet unterdessen „Sonta Klas“ (der Heilige Nikolaus) durch den Ort, umgeben von vier weiß Gekleideten. Abends versammelt sich die Festgemeinde beim Ave-Maria-Läuten vor der Kirche, danach beginnt ein ausgelassenes Fest mit Musik, Speis und Trank. www.vinschgau.net

 

 

Cabalgata de Reyes auf Lanzarote:

Könige auf Kamelen

In Spanien bringen die Heiligen Drei Könige die Weihnachtsgeschenke – auf Lanzarote sogar per Kamel

Während in Deutschland das Christkind an Heiligabend die Geschenke bringt, müssen sich die Kinder auf der spanischen Kanareninsel Lanzarote bis zum 5. Jamuar gedulden. Am Vorabend des Dreikönigsfests ziehen Caspar, Melchior und Balthasar bei der traditionellen „Cabalgata de Reyes“ auf Kamelen die Uferpromenade der Hauptstadt Arrecife entlang. Gefolgt von ihren Pagen sowie aufwendig geschmückten Wagen verschenken sie Bonbons an kleine Zuschauer. Davor haben diese Gelegenheit, den Weisen aus dem Morgenland ihre Wunschzettel zu übergeben. Kamele haben auf Lanzarote eine lange Tradition: Einst brachte sie der normannische Abenteurer Jean de Béthencourt von Marokko als Nutz- und Lasttiere auf das Atlantik-Eiland. Noch heute werden sie bei der traditionellen Weinlese eingesetzt www.turismolanzarote.com

 

 

Biciocada im Tessin:

Musikalische Grüße aus dem Glockenturm

Kurz vor Weihnachten treffen sich Einheimische und Gäste im Glockenturm von Morcote im Tessin und senden musikalische Grüße

Im kleinen Tessiner Dorf Morcote begehen Einheimische an den neun Abenden vor Weihnachten eine uralte Tradition. Vom 16. bis 24. Dezember. 2017 versammeln sich die Schweizer jeweils um 20.30 Uhr im Glockenturm der Kirche Santa Maria del Sasso zur „Biciocada“. Abwechselnd wird dann per Hand die Glocke geläutet und so ein musikalischer Gruß in die winterliche Nacht geschickt. Dazu gibt’s in der gemütlichen Stube Würste vom offenen Kaminfeuer, Käse, Salametti und Tessiner Wein. Den Adventsbrauch belebte Pepo Ardizio 1977 wieder. Urlauber dürfen dem Ritual gern beiwohnen, eine Anmeldung ist nicht erforderlich. www.ticino.ch

 

 

 

„Roter Hahn“-Bauernhöfe in Südtirol:

Mit Rauch gegen böse Geister

Die „Roter Hahn“-Höfe in Südtirol werden traditionell am Dreikönigstag gesegnet

Um gegen das Schlechte gefeit zu sein, „räuchern“ die Südtiroler Bauern in der Weihnachtszeit ihren Hof aus. Dabei zieht der Hausherr, gefolgt vom Rest der Familie, mit einer Pfanne voll Glut und Weihrauch durch Anwesen und Stall und besprenkelt alle Räume mit Weihwasser, anschließend segnet er noch die Felder. Praktiziert wird der jahrhundertealte Brauch zwischen 24. Dezember und 6. Januar. An dem Tag haben auch die Sternsinger ihren Auftritt. Mit geweihter Kreide schreiben entweder der Bauer selbst oder die Heiligen Drei Könige die Jahreszahl sowie ihre Initialen an die Eingangstür: C+M+B für Caspar, Melchior und Balthasar. Die Buchstaben stehen außerdem für „Christus mansionem benedicat – Christus segne dieses Haus“. Urlaubsgäste auf einem Hof der Marke „Roter Hahn“ sind herzlich willkommen, an der Tradition teilzunehmen. www.roterhahn.it

 

 

Krampalar Lauf in St. Anton am Arlberg/Tirol:

Erst der Krampus, dann die Belohnung

Beim schaurigen Krampalar-Lauf in St. Anton am Arlberg ziehen traditionell am 5. Dezember gruselige Gesellen durch das Tiroler Bergdorf

Ziemlich gruselig geht es am Abend des 5. Dezember 2017 beim 20. Arlberg-Pass Krampalar Lauf zu. Einen Tag vor dem Nikolausabend nämlich suchen traditionell dessen furchterregende Begleiter die „Unartigen“ heim. Dass sich unter den dicken Teufelsfellen freundliche Gesellen verstecken, ist den Krampalar beim Dorfumzug mit dem Nikolaus nicht anzusehen. Die Prozession in St. Anton am Arlberg gilt dank besonders schauriger Masken und Feuerspektakel als Geheimtipp im Alpenraum. Am 6. Dezember und den Adventssonntagen lädt dann der „Adventzauber im Park“ rund ums Museum St. Anton in aller Ruhe zum Verweilen, Lauschen, Basteln und Backen ein. www.stantonamarlberg.com

 

 

Wolfauslassen in Bodenmais/Bayerischer Wald:

Glockengeläut und Goaßlschnalzer

Beim Wolfauslassen ziehen die Männer mit riesigen Glocken durch Bodenmais und veranstalten ein ohrenbetäubendes Spektakel.

Schon am Martinstag herrscht im Kurort Bodenmais im Bayerischen Wald ein ohrenbetäubendes Spektakel, das Wolfauslassen: Behangen mit großen Kuhglocken ziehen Burschen und junge Männer im November lärmend durch den Ort, begleitet von „Goaßlschnalzern“ mit ihren laut knallenden Peitschen. Am Marktplatz erfolgt dann der unüberhörbare Showdown, wenn die Männer die Glocken nach allen Regeln der Kunst läuten. Der Brauch geht auf eine jahrhundertealte Tradition zurück, früher hielten die Hirten so wilde Tiere und Wölfe von ihren Weiden und Höfen fern. Fünf Minuten fußläufig vom Geschehen befindet sich das 4-Sterne-Superior-Hotel Bodenmaiser Hof, eine Nacht gibt’s ab 97 €/Pers. im DZ. www.bodenmaiser-hof.de

 

 

Bildnachweis: Mostviertel Tourismus/schwarz-koenig.at, Fotobybodini.it; Turismo Lanzarote;Ticino Turismo/Ti-Press; „Roter Hahn“/Frieder Blickle; TVB St. Anton am Arlberg; Marco Felgenhauer/Woidlife Photography

Hinterlassen Sie einen Kommentar